Merkmale und Ansprache
Das Reh (Capreolus capreolus) ist die kleinste und zugleich häufigste in Deutschland heimische Schalenwildart. Böcke wiegen 18 bis 25 kg, Ricken 16 bis 22 kg. Der Bock trägt ein vergleichsweise kleines, jährlich neu geschobenes Gehörn, dessen Stärke und Auslage mit Alter und Konstitution zunehmen. Für die waidgerechte Ansprache am Stück zählen Körperbau, Trägerhaltung, Verhalten und – beim Bock – die Gehörnentwicklung; bei der Unterscheidung von Ricke, Schmalreh und Kitz sind Größe, Begleitung und Verhalten im Sprung entscheidend.
Lebensraum und Verbreitung
Rehwild besiedelt bevorzugt das strukturreiche Wald-Feld-Mosaik, Auen und Bergwälder bis in Höhen um 2000 m. Es sucht die Grenzlinie zwischen Deckung und Äsung und nimmt dabei Deckungs- und Äsungsstreifen ebenso an wie reine Feldreviere, in denen es als „Feldreh“ auftritt. Anders als das rudelbildende Rotwild lebt Rehwild überwiegend als Einzelgänger oder in kleinen Sprüngen. Seine hohe Anpassungsfähigkeit hat es zur nahezu flächendeckend verbreiteten Schalenwildart gemacht.
Verhalten und Fortpflanzung
Rehwild ist ein Konzentratselektierer: Es ernährt sich von leicht verdaulicher, energiereicher Äsung wie Knospen, Trieben und Kräutern und wählt seine Nahrung sehr gezielt aus. Die Brunft fällt in den Juli und August und wird als „Blattzeit“ bezeichnet. Eine Besonderheit ist die verlängerte Tragzeit mit sogenannter Eiruhe (Keimruhe), durch die die Setzzeit der Kitze – trotz der sommerlichen Brunft – erst im Mai und Juni liegt. Rehwild ist standorttreu und reagiert empfindlich auf Störungen, verlagert seine Aktivität bei hohem Jagddruck zunehmend in die Dämmerungs- und Nachtstunden.
Bejagung und jagdliche Praxis
Im Revier wird Rehwild in der Regel als Ansitz- und Pirschjagd bejagt; auf Bewegungs- und Drückjagden tritt es häufig als Beifang auf. Bejagt werden Böcke, Schmalrehe und Geißen jeweils in ihren eigenen Zeiträumen. In den meisten Bundesländern besteht keine formelle Abschussplanpflicht wie beim Rotwild, wohl aber ein Mindestabschuss zur Bestandesregulierung. Die genauen Jagd- und Schonzeiten unterscheiden sich je Bundesland und Geschlecht bzw. Altersklasse deutlich – der Bock etwa unterliegt anderen Zeiten als Schmalreh und Geiß. Ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands gehört daher vor jeden Ansitz.
Wildschaden, Recht und Wildbret
Die forstliche Verträglichkeit ist beim Rehwild der zentrale Grund für den Bejagungsdruck: Verbiss an der Waldverjüngung wirkt sich unmittelbar auf den Waldumbau aus. Verbiss-Gutachten werden zunehmend zum bestimmenden Faktor für die Höhe der Mindestabschusszahlen. Das Wildbret gilt als besonders feinfaserig und hochwertig und wird häufig direkt vermarktet. Die Streckenmeldung an die zuständige Behörde sowie – bei Direktvermarktung – die lebensmittelrechtliche Dokumentation gehören zur ordnungsgemäßen Nachbereitung jeder Erlegung.