Merkmale und Ansprache
Das Muffelwild (Ovis musimon) ist eine eingebürgerte Wildschafart, die ursprünglich von Korsika und Sardinien stammt. Es ist das einzige in Mitteleuropa jagdbare Wildschaf. Widder erreichen Lebendgewichte von 35 bis 50 kg und tragen ein eindrucksvolles, nach hinten eingerolltes Schneckengehörn, dessen Länge und Windung mit dem Alter zunehmen. Schafe bleiben deutlich kleiner und sind kurzgehörnt oder gehörnlos. Für die Ansprache am Stück zählen neben Körpergröße und Gehörnentwicklung des Widders das auffällige helle Sattelfleck des Winterhaars sowie das Verhalten im Rudelverband.
Lebensraum und Verbreitung
Muffelwild bevorzugt Mittelgebirge mit felsigen Anteilen sowie trockene, steinige Böden, die seinen Klauen den nötigen Abrieb geben. Etablierte Vorkommen finden sich unter anderem in der Eifel, im Pfälzerwald, im Harz und im Schwarzwald, daneben in einzelnen Heidelandschaften. Nasse, weiche Böden und schneereiche Hochlagen meidet die Art, da sie unter solchen Bedingungen zu Klauen- und Gesundheitsproblemen neigt. Die Bestände gehen fast durchweg auf gezielte Aussetzungen zurück und sind daher inselartig über geeignete Reviere verteilt.
Verhalten und Fortpflanzung
Muffelwild lebt gesellig in Rudeln, die sich im Jahresverlauf umschichten: Zeitweise bilden sich reine Widderrudel, daneben Schafrudel aus weiblichen Stücken mit ihren Lämmern. Die Brunft fällt in den November bis Anfang Dezember; in dieser Zeit stoßen die Widder zu den Schafrudeln und tragen ihre Rangkämpfe mit den charakteristischen Hornstößen aus. Die Setzzeit der Lämmer liegt im April und Mai. Als tagaktive, aber wachsame Art zieht sich Muffelwild bei Störung rasch in deckungsreiche und schwer zugängliche Hanglagen zurück.
Bejagung, Recht und Wildbret
Muffelwild ist abschussplanpflichtig; die Strecke folgt dem je Hegegemeinschaft aufgestellten und behördlich genehmigten Plan. Bejagt werden schwerpunktmäßig alte Widder, Schmalschafe und Lämmer. Übliche Jagdarten sind der Ansitz und die Pirsch in strukturiertem Gelände. Die genauen Jagd- und Schonzeiten unterscheiden sich je Bundesland und Alters- beziehungsweise Geschlechtsklasse – ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands gehört vor jeden Ansitz. Wildbiologisch wird Muffelwild in manchen Mittelgebirgsregionen als gebietsfremde Art kritisch gesehen, während es in anderen Revieren eine etablierte und gehegte Population bildet; die Eingriffsmöglichkeiten in Wildschaden- und Konkurrenzsituationen mit Rotwild werden regional sehr unterschiedlich diskutiert. Das Wildbret gilt als feinfaserig und hochwertig. Die Streckenmeldung an die zuständige Behörde sowie – bei Direktvermarktung – die lebensmittelrechtliche Dokumentation gehören zur ordnungsgemäßen Nachbereitung jeder Erlegung.