Erreger
Nematoden der Gattung Dictyocaulus (D. viviparus, D. eckerti, D. capreolus)
Übertragungsweg
Aufnahme infektiöser Larven mit der Äsung. Vermehrung durch hohe Wilddichte, Konzentration an Salzlecken und feuchte Witterung.
Symptome
Husten besonders bei Bewegung, Atemnot, Abmagerung, Kümmerwuchs bei Kälbern/Kitzen. Aufbruch: weißlich-fadenförmige Würmer in den Bronchien.
Behandlung und Bekaempfung
Im Wildbestand keine systematische Behandlung (Wartezeitenproblematik). Lebensraummanagement und Bestandsreduktion als Hauptmassnahmen.
Bedeutung für die Jagd
Wichtiger Indikator für Wilddichte und Lebensraumqualität. Bei Aufbruch Lunge sorgfältig prüfen, bei Befall verwerfen; übriges Wildbret in der Regel verkehrsfähig.
Hintergrund
Lungenwurmbefall (Dictyocaulus viviparus beim Rotwild, Dictyocaulus eckerti beim Rehwild, Dictyocaulus capreolus regional differenziert) zählt zu den wirtschaftlich bedeutendsten Parasitosen des Schalenwildes. Die im Bronchialsystem siedelnden Nematoden verursachen eine chronische, oft monatelang verlaufende Bronchopneumonie und sind in feuchten Niederungen sowie in Revieren mit hoher Wilddichte ein Dauerärger.
Die Übertragung erfolgt über den Wechselwirt-freien Kreislauf: erwachsene Würmer im Bronchialsystem produzieren Eier, die im Kot ausgeschieden werden und sich in der Aussenwelt zu infektiösen Larven entwickeln. Wild infiziert sich durch Aufnahme dieser Larven mit der Äsung. Hohe Wilddichte, Konzentration an Salzlecken und nasse Sommer begünstigen massive Befallsquoten.
Klinisch zeigen erkrankte Tiere Husten (besonders bei Bewegung), Atemnot, Abmagerung, Kümmerwuchs bei Kälbern und Kitzen, in schweren Fällen Tod durch Verlegung der Atemwege oder bakterielle Sekundärinfektion. Bei Aufbruch zeigt die Lunge weißlich-fadenförmige Würmer in den Bronchien, oft begleitet von Schaumbildung und entzündlichen Bezirken.
Für den Jäger ist Lungenwurmbefall ein Indikator für Wilddichte und Lebensraumqualität. Maßnahmen umfassen Bestandsreduktion, Salzleckenmanagement (Reduzieren), Vermeidung von Überwinterung an feuchten Standorten. Wildbret ist bei alleinigem Lungenwurmbefall ohne weitere Befunde verkehrsfähig (Lunge wird verworfen). Eine medikamentöse Behandlung des Wildes ist in der Regel rechtlich nicht zulässig (Lebensmittelliefernde Tiere – Wartezeitenproblematik).
Quellenhinweis: Stand April 2026; Angaben auf Grundlage von FLI, BMEL und OIE/WOAH. Bitte aktuelle bundeslandspezifische Bestimmungen prüfen.