Merkmale und Ansprache
Der Marderhund (Nyctereutes procyonoides) ist eine kleine, gedrungene Hundeartige mit kurzen Läufen und dichtem, langhaarigem Winterbalg. Adulte Tiere wiegen 5 bis 9 kg. Auffällig sind die dunkle Gesichtsmaske und die backenbartartig verlängerten Haare an den Wangen, die dem Marderhund im Volksmund den Namen „Enok“ eingetragen haben. In der Dämmerung ist er von jungem Fuchs oder Waschbär zu unterscheiden – für die sichere Ansprache zählen die niedrige Statur, der gestreckte Rumpf und die fehlende Ringelung der buschigen Rute.
Lebensraum und Verbreitung
Der Marderhund ist ein Neozoon: Er wurde im 20. Jahrhundert aus Ostasien in der ehemaligen Sowjetunion zur Pelzgewinnung ausgesetzt und hat sich seither kontinuierlich nach Westen ausgebreitet. Inzwischen ist er praktisch flächendeckend in Deutschland verbreitet. Er bevorzugt gewässerreiche, deckungsstarke Landschaften – Auen, Feuchtgebiete und Mischwälder mit dichter Bodenvegetation. Gerade die Nähe zu Röhricht- und Verlandungszonen bringt ihn in unmittelbaren Konflikt mit bodenbrütenden Vogelarten.
Verhalten und Fortpflanzung
Marderhunde leben paarweise und führen eine ausgeprägte, oft mehrjährige Paarbindung. Sie sind Allesfresser mit einem Nahrungsschwerpunkt auf Bodenbrütern, Fischen und Kleinsäugern, nehmen aber auch Amphibien, Insekten, Aas und pflanzliche Kost. Eine biologische Besonderheit hebt sie von allen anderen heimischen Hundeartigen ab: Der Marderhund ist die einzige Hundeart Mitteleuropas, die eine echte Winterruhe hält und bei anhaltender Kälte über Wochen inaktiv bleibt.
Bejagung und jagdliche Praxis
Als invasive Art gilt der Marderhund jagdlich vor allem als Prädator, dessen Bejagung dem Schutz von Bodenbrütern und Niederwild dient. Bewährte Jagdarten sind der Ansitz an Kirrungen und Luderplätzen, die Baujagd mit Erdhunden sowie insbesondere die Fallenjagd mit tierschutzgerechten Lebendfangfallen an Wechseln und Passagen. Da der Marderhund dämmerungs- und nachtaktiv ist, spielen technische Hilfsmittel eine Rolle, deren Zulässigkeit sich jedoch je Bundesland unterscheidet. Die Bejagung erfolgt ganzjährig; in den meisten Bundesländern besteht keine Schonzeit außer dem Elterntierschutz führender Fähen. Die genauen Jagd- und Schonzeiten regelt jedes Bundesland eigenständig – ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands gehört vor jeden Ansitz.
Krankheiten, Recht und Verwertung
Der Marderhund ist in einigen Regionen ein bedeutender Überträger von Fuchsbandwurm (Echinococcus multilocularis) und Trichinella. Beim Aufbrechen und Abbalgen ist daher hygienisches Arbeiten mit Handschuhen geboten; wird Wildbret des Marderhunds verwertet, gilt für Fleischfresser die Trichinenuntersuchungspflicht. In der jagdlichen Praxis überwiegt die Balgverwertung. Die Streckenmeldung an die zuständige Behörde gehört zur ordnungsgemäßen Nachbereitung – Marderhund-Strecken sind zugleich ein wichtiger Indikator für den Prädatorendruck und den Erfolg des Bodenbrüterschutzes im Revier.