Merkmale und Ansprache
Der Feldhase (Lepus europaeus) ist die häufigere der beiden in Mitteleuropa heimischen Hasenarten. Adulte Tiere erreichen ein Gewicht von 3 bis 5 kg. Kennzeichnend sind die langen, schwarz gespitzten Löffel, die kräftigen Hinterläufe und die im Vergleich zum Wildkaninchen deutlich größere, hochläufigere Gestalt. Bei der Ansprache im Feld hilft die aufrechte, wachsame Körperhaltung sowie das charakteristische Haken schlagen auf der Flucht. Eine sichere Unterscheidung von Rammler und Häsin ist im Feld kaum möglich, weshalb die Ansprache am Feldhasen sich vor allem auf gesunde Konstitution und ausreichende Körpergröße richtet.
Lebensraum und Verbreitung
Der Feldhase ist das klassische Niederwild der offenen Feldlandschaft. Er bewohnt Feldflur, Brachen, Wiesen und den Wald-Feld-Saum und ist auf ein strukturreiches Mosaik aus Deckung und Äsung angewiesen. Ausgeräumte, sehr intensiv bewirtschaftete Agrarlandschaften meidet er, da ihm dort Deckung, Nahrungsvielfalt und Rückzugsräume fehlen. Als reiner Bodenbewohner legt er keine Baue an, sondern ruht tagsüber in flachen Mulden, den sogenannten Sassen. Verbreitet ist der Feldhase in ganz Deutschland, die Besatzdichten schwanken jedoch regional stark und hängen unmittelbar von der Struktur der Kulturlandschaft ab.
Verhalten und Fortpflanzung
Feldhasen sind ausgeprägte Einzelgänger; nur zur Paarungszeit von Februar bis September finden sich Tiere zusammen. Auffällig ist in dieser Zeit das „Hasenhochzeit“ genannte Treiben und Boxen konkurrierender Tiere auf offener Flur. Die Junghasen werden seitehend, also vollentwickelt und behaart, mit offenen Seherne gesetzt und sind damit typische Nestflüchter – anders als die nackt und blind geborenen Jungkaninchen. Mehrere Sätze pro Jahr sind möglich, doch witterungsbedingte Verluste in den ersten Lebenswochen sind hoch und beeinflussen den jährlichen Zuwachs erheblich.
Bestandsentwicklung und Gefährdung
Die Strecken sind seit den 1970er Jahren stark rückläufig. Als Hauptursachen gelten die Intensivierung der Landwirtschaft mit dem Verlust an Strukturreichtum, die Prädation durch Fuchs und Marderhund sowie Krankheiten wie das European Brown Hare Syndrome (EBHS) und die Tularämie. Der Feldhase gilt daher vielerorts als Sorgenkind der Niederwildhege. Die Streckenmeldung an die zuständige Behörde ist zugleich ein zentraler Indikator für den Hege-Erfolg eines Reviers – konsequente Prädatorenbejagung, Anlage von Blühstreifen und der Erhalt von Randstrukturen wirken hier unmittelbar auf den Besatz.
Bejagung, Recht und Wildbret
Bejagt wird der Feldhase klassisch als herbstliche Treib- oder Kesseljagd, häufig mit bewusst kleinen Quoten und nur bei ausreichendem Besatz. Angesichts der rückläufigen Bestände üben Jäger in vielen Bundesländern eine freiwillige Schonung, verzichten also trotz bestehender Jagdzeit auf die Nutzung schwacher Vorkommen. Die genauen Jagd- und Schonzeiten unterscheiden sich je Bundesland – ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands gehört vor jede Feldjagd. Das Wildbret des Feldhasen ist dunkel, aromatisch und traditionell geschätzt. Zur ordnungsgemäßen Nachbereitung gehören die Streckenmeldung sowie – bei der Abgabe an Verbraucher – die lebensmittelrechtliche Dokumentation jeder Erlegung.