Merkmale und Ansprache
Der Schneehase (Lepus timidus) ist die kleinere und kompaktere der beiden in Mitteleuropa heimischen Hasenarten. Sein auffälligstes Merkmal ist der saisonale Fellwechsel: Im Winter trägt er ein weißes Haarkleid, das ihn in der verschneiten Hochgebirgslandschaft nahezu unsichtbar macht, im Sommer ist das Fell graubraun. Gegenüber dem Feldhasen wirkt der Schneehase gedrungener und trägt kürzere Löffel. Für die waidgerechte Ansprache am Stück sind der Standort im alpinen Gelände, die Fellfärbung im jeweiligen Jahresverlauf und die kompakte Körperform die wichtigsten Anhaltspunkte.
Lebensraum und Verbreitung
Der Schneehase ist ein ausgesprochener Hochgebirgsbewohner. Er besiedelt alpine Lagen oberhalb der Waldgrenze, Latschenfelder und Almen. In Deutschland kommt er ausschließlich in den Bayerischen Alpen vor; darüber hinaus ist er im Alpenraum von Österreich und der Schweiz verbreitet. Sein Rückzug in diese hochgelegenen, kühlen Lebensräume macht ihn zu einer Art mit eng begrenztem und empfindlichem Vorkommen, deren Bestände auf klimatische und lebensraumbedingte Veränderungen reagieren.
Verhalten und saisonale Anpassung
Kennzeichnend für den Schneehasen ist die Anpassung an das raue Hochgebirgsklima. Der zweimalige Fellwechsel im Jahr – vom graubraunen Sommerhaar zum weißen Winterhaar und zurück – ist eine Tarnanpassung an die wechselnde Schneelage seines Lebensraums. Wie andere Hasenarten lebt der Schneehase überwiegend als Einzelgänger und ist in den kargen alpinen Lebensräumen oberhalb der Waldgrenze auf eine an Latschen, Almvegetation und Gebirgsflora angepasste Äsung angewiesen.
Bejagung, Schonzeit und Hege
Die Bejagung des Schneehasen ist sehr restriktiv geregelt und folgt strikten Quoten. In Bayern, Österreich und der Schweiz unterliegt er engen Vorgaben, die seinem begrenzten Vorkommen und dem sensiblen Hochgebirgslebensraum Rechnung tragen. Die genauen Jagd- und Schonzeiten unterscheiden sich je nach Bundesland beziehungsweise Land und werden zudem restriktiv gehandhabt – ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands gehört daher vor jede Planung einer Bejagung. In der Praxis steht beim Schneehasen der Erhalt der ohnehin kleinen, hochspezialisierten Populationen im Vordergrund; die jagdliche Nutzung ordnet sich diesem Hegegedanken unter. Wo eine Bejagung zulässig ist, sollte sie mit Augenmaß und in Abstimmung mit den örtlichen Vorgaben erfolgen.