Nicht anzeigepflichtig

EBHS (European Brown Hare Syndrome)

EBHS European Brown Hare Syndrome: Lagovirus beim Feldhasen, Aufbruchsbefunde, Mortalität und Differentialdiagnose Tularämie.

Erreger

EBHS-Virus, Lagovirus, Familie Caliciviridae

Übertragungsweg

Fako-oral, Direktkontakt, kontaminierte Äsung und Kadaver, passive Vektoren (Aas-Krähen, Greife, Fahrzeuge). Umweltstabil.

Symptome

Perakuter Verlauf: tot aufgefundene Hasen ohne Vorzeichen. Aufbruchsbefund: massive Lebernekrosen ("muskatnussartig"), Splenomegalie, Hyperämie.

Behandlung und Bekaempfung

Keine Therapie. Bestände erholen sich nach Welle über mehrere Jahre.

Bedeutung für die Jagd

Wesentlicher Mortalitätsfaktor im Niederwildbesatz. Bei gehäuftem Fallwild Veterinärbehörde informieren (Differential Tularämie). Auffällige Stücke nicht verwerten.

Hintergrund

Das European Brown Hare Syndrome (EBHS) ist eine virale, hochkontagiöse Erkrankung des Feldhasen, ausgelöst durch ein Lagovirus aus der Familie Caliciviridae (eng verwandt mit dem RHD-Virus des Wildkaninchens, jedoch wirtsspezifisch). Erste Beschreibungen stammen aus Schweden in den 1980er Jahren; heute ist EBHS in ganz Europa endemisch und einer der wichtigsten Mortalitätsfaktoren in der Niederwildjagd.

Die Übertragung erfolgt fako-oral, über Direktkontakt sowie über kontaminierte Äsungspflanzen, Kadaver und passive Vektoren (Greifvögel, Aas-Krähen, Fahrzeuge). Das Virus ist umweltstabil; in Kotproben mehrerer Wochen alt sind noch infektiös nachweisbar. Mortalitätsraten in betroffenen Beständen erreichen 80 bis 100 Prozent; akute Bestandseinbrüche sind in der Niederwildbilanz der Folgejahre deutlich nachweisbar.

Klinisch verläuft EBHS perakut mit Tod innerhalb weniger Stunden; oft werden tot aufgefundene Hasen ohne sichtbare Vorzeichen gemeldet. Bei Aufbruch zeigt die Leber massive Nekrosen ("muskatnussartig"), die Milz ist vergrössert und stark hyperämisch, gelegentlich finden sich Blutungen in Lunge und Niere.

Für den Jäger ist EBHS nicht anzeigepflichtig nach Tiergesundheitsgesetz, jedoch sollte ein Verdacht (gehäuftes Fallwild im Feldhasenbestand) der Veterinärbehörde zur Abklärung gemeldet werden, auch zur differentialdiagnostischen Abgrenzung von Tularämie. Erlegte Hasen aus Beständen mit aktuellem EBHS-Geschehen sollten bei auffälligen Aufbruchsbefunden nicht verwertet werden. Eine Therapie ist nicht möglich; die Bestände erholen sich in der Regel über mehrere Jahre.

Quellenhinweis: Stand April 2026; Angaben auf Grundlage von FLI, BMEL und OIE/WOAH. Bitte aktuelle bundeslandspezifische Bestimmungen prüfen.