Symbolbild

Rebhuhn

Perdix perdix

Klassisches Niederwild der offenen Feldflur, Bestände seit Jahrzehnten dramatisch rückläufig.

Lebensraum

Offene Feldflur mit Brachen und Saum-Strukturen.

Jagdliche Bedeutung

In vielen BL freiwillige Schonung. Hege über Blühstreifen, Saum-Programme, Prädatorenmanagement.

Merkmale und Ansprache

Das Rebhuhn (Perdix perdix) ist die kleinste in Mitteleuropa heimische Hühnerart. Adulte Vögel wiegen 350 bis 450 g und wirken mit ihrem gedrungenen, rundlichen Körper, dem kurzen Hals und dem kaum sichtbaren Schwanz unverkennbar. Kennzeichnend sind das rostbraune Gesicht und der dunkle, hufeisenförmige Bauchfleck, der beim Hahn kräftiger ausgeprägt ist als bei der Henne. Beim Auffliegen fällt der schnelle, schwirrende Flügelschlag auf, dem meist ein kurzes Gleiten dicht über der Feldflur folgt. Rebhühner sind gesellig und halten sich außerhalb der Brutzeit in Familienverbänden, den sogenannten Ketten, zusammen.

Lebensraum und Verbreitung

Das Rebhuhn ist ein klassisches Niederwild der offenen Feldflur. Es besiedelt strukturreiche Agrarlandschaften mit Brachen, Säumen, Feldrainen, Hecken und kleinteiligem Nutzungsmosaik – Strukturen, die Deckung, Insektennahrung für die Küken und Ansitzwarten in enger Verzahnung bieten. Ausgeräumte, großflächig einheitlich bewirtschaftete Fluren meidet die Art, weil ihr dort sowohl Deckung als auch Nahrungsvielfalt fehlen. Als Standvogel bleibt das Rebhuhn ganzjährig in seinem angestammten Gebiet und ist damit unmittelbar von der Qualität der örtlichen Feldflur abhängig.

Bestandsrückgang und Gefährdung

Die Rebhuhnbestände sind seit den 1960er Jahren um über 90 Prozent eingebrochen. Hauptursache ist die Intensivierung der Landwirtschaft und der damit verbundene Verlust an Strukturen: Wegfall von Brachen und Säumen, größere Schläge, frühere und häufigere Bearbeitungsgänge sowie ein Rückgang des Insektenangebots, von dem die Kükenaufzucht abhängt. Als Bodenbrüter ist das Rebhuhn zudem besonders empfindlich gegenüber Prädation und Störung während der Brut- und Aufzuchtzeit. Der Rückgang macht das Rebhuhn zu einer der Sorgenkinder-Arten der heutigen Kulturlandschaft.

Schutzstatus und Hege

Aufgrund der stark rückläufigen Bestände wird das Rebhuhn in vielen Bundesländern freiwillig geschont, auch dort, wo es formal noch dem Jagdrecht unterliegt. Ob und in welchem Umfang eine Bejagung überhaupt zulässig ist, unterscheidet sich erheblich je nach Bundesland und örtlicher Bestandslage – maßgeblich ist stets die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands, ergänzt um regionale Empfehlungen und freiwillige Selbstbeschränkungen der Reviere. Im Vordergrund steht heute nicht die Nutzung, sondern die Hege. Wirksame Maßnahmen setzen an den Ursachen des Rückgangs an: das Anlegen von Blüh- und Brachestreifen, die Förderung von Saum- und Feldrainstrukturen sowie ein gezieltes Prädatorenmanagement zum Schutz der Gelege und Ketten. Solche Programme sind auf enge Abstimmung mit Landwirtschaft und Naturschutz angewiesen und wirken am besten großflächig und über Reviergrenzen hinweg.

Jagdliche Praxis und Verantwortung

Wo eine Nutzung des Rebhuhns fachlich vertretbar und rechtlich zulässig ist, setzt sie einen gesicherten, tragfähigen Besatz voraus – eine Bejagung schwacher oder zusammengebrochener Vorkommen verbietet sich von selbst. Für die Jägerschaft liegt der eigentliche Beitrag daher in der aktiven Lebensraumverbesserung und im Monitoring: dem Erfassen von Ketten und Brutpaaren, der Beobachtung des Bruterfolgs und der Zusammenarbeit mit den Bewirtschaftern der Fläche. Das Rebhuhn ist damit weniger eine Streckenart als vielmehr ein Gradmesser für den Zustand einer lebendigen, strukturreichen Feldflur.

Letzte Aktualisierung: · Quelle: Waidwart-Redaktion

Weitere Federwild-Arten

← Alle Wildarten