Merkmale und Ansprache
Der Auerhahn (Tetrao urogallus) ist mit 4 bis 5 kg die größte mitteleuropäische Hühnerart und zugleich das größte heimische Raufußhuhn. Der Hahn ist imposant graubraun-schwarz gefärbt, mit metallisch glänzender Brust und auffallendem „Bart“ aus verlängerten Kehlfedern; über dem Auge trägt er eine leuchtend rote, nackte Hautrose. Die deutlich kleinere und unscheinbar braun-rostrot gebänderte Henne wird jagdlich als „Auerhenne“ angesprochen. Die namengebenden befiederten Läufe – die „Rauhfüße“ – schützen im Winter vor Kälte und dienen als Schneeschuh.
Lebensraum und Verbreitung
Der Auerhahn bewohnt lichte, alte Bergmischwälder mit ausgeprägtem Heidelbeer-Unterwuchs. Solche Bestände bieten zugleich Deckung, Schlafbäume und mit Heidelbeere, Knospen, Trieben und Insekten die nötige Äsung. In Deutschland sind die Vorkommen auf wenige Rückzugsräume geschrumpft – vor allem den Schwarzwald, den Bayerischen Wald und die Alpen. Als ausgesprochene Charakterart alter, strukturreicher Wälder reagiert die Art hochempfindlich auf Lebensraumverlust, Verdichtung des Waldes und Störungen durch Freizeitnutzung.
Verhalten und Fortpflanzung
Im Frühjahr sammeln sich die Hahne an traditionellen Balzplätzen. Die Balz mit ihrem charakteristischen, mehrphasigen Gesang – vom „Knappen“ über das „Triller“ bis zum „Schleifen“ – ist der auffälligste Teil des Jahreszyklus und zugleich die störungsempfindlichste Phase. Die Henne brütet allein am Boden und führt die Küken, die in den ersten Lebenswochen stark auf ein insektenreiches Nahrungsangebot angewiesen sind. Als Bodenbrüter ist der Auerhahn besonders anfällig gegenüber Prädation durch Fuchs, Marder und Wildschwein sowie gegenüber nasskalter Witterung während der Aufzucht.
Schutzstatus und Hege
In Deutschland ist der Auerhahn nach der Roten Liste in Kategorie 1 – vom Aussterben bedroht – eingestuft und ganzjährig geschont; eine Bejagung findet nicht statt. Das jagdliche Handeln beschränkt sich hier vollständig auf Hege und Lebensraumschutz. Die wichtigste Hege-Maßnahme ist die Habitatverbesserung: das Auflichten dichter Altholzbestände, die Förderung von Heidelbeerteppichen und die Beruhigung der Kernräume gegenüber Störungen. Die Regulierung bodenbrüterschädlicher Prädatoren wie Fuchs und Marder kann den lokalen Bruterfolg zusätzlich stützen. In Österreich und der Schweiz ist eine sehr restriktive Bejagung möglich; sie unterliegt engen Quoten und beschränkt sich auf alte Hahne während der Balzzeit. Da Schutzstatus, Jagd- und Schonzeiten je nach Land und Bundesland stark voneinander abweichen, gehört ein Blick in die tagesaktuelle Schonzeiten-Übersicht des jeweiligen Bundeslands zwingend an den Anfang jeder Planung – für den Auerhahn gilt in Deutschland durchgängig der ganzjährige Schutz.