Für Rotwild gilt nach Bundesjagdgesetz Paragraph 19 Abs. 1 Nr. 2 die Mindest-Auftreffenergie von 2.000 Joule auf 100 m (E100) sowie ein Mindestkaliber von 6,5 mm (Geschossdurchmesser). Beliebt und bewährt sind Kaliber wie 7x64, .308 Winchester, 8x57 IS, .30-06 Springfield, 9,3x62 oder 8x68 S. Geschossgewichte zwischen 11 und 15 Gramm sind üblich, mit kontrollierter Aufschlagserweiterung (Teilmantel, Bonded Core, Monometall mit Hohlspitze). Wichtig ist die Geschosskonstruktion: Sie muss bei Hochwild eine zuverlässige Wirkung mit ausreichend Eindringtiefe und Energieabgabe gewährleisten. Reine Vollmantelgeschosse sind nicht zulässig. Mit Blick auf bleifreie Munition (in mehreren Bundesländern in Schutzgebieten oder generell vorgeschrieben, in Sachsen-Anhalt und Brandenburg z. B. ab Januar 2026 in vielen Wassereinzugsgebieten) sind Monometallgeschosse aus Kupfer (z. B. Barnes TSX, Lapua Naturalis, Norma Ecostrike) auch für Rotwild geeignet — sie benötigen meist etwas höhere Geschwindigkeit für zuverlässige Aufschlagserweiterung, weshalb leistungsstarke Patronen wie .30-06 oder 9,3x62 oft empfohlen werden.
Stand 2026 ist die Bleisituation in Deutschland uneinheitlich: Auf Bundesebene besteht ein generelles Verbot bleihaltiger Schrotmunition für die Jagd in Feuchtgebieten (umgesetzt EU-REACH-Beschränkung Anhang XVII Nr. 78 seit Februar 2023). Für Büchsenmunition gibt es bundesweit kein generelles Verbot, aber in mehreren Bundesländern Vorgaben in Landesjagdgesetzen oder Verwaltungsvorschriften: Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein, Saarland, Sachsen-Anhalt und teilweise NRW schreiben bleifreie Büchsenmunition für bestimmte Wildarten oder Gebiete vor. Die EU diskutiert eine umfassende Beschränkung von Bleimunition für die gesamte Jagd, die Ende 2025 / Anfang 2026 in den Mitgliedsstaaten in nationale Vorgaben mit mehrjährigen Übergangsfristen umgesetzt werden soll. Bleifreie Geschosse aus Kupfer haben sich technisch bewährt: hohe Energieabgabe, gute Eindringtiefe, weniger Bleieintrag in Wildbret und Boden. Praktischer Tipp: Wer 2026 eine neue Büchse einschießt oder Vorrat aufbaut, plant am besten gleich bleifrei. Ein Wechsel des Geschossgewichts oder der Patronenmarke erfordert immer Neueinschießen.
E100 bezeichnet die Auftreffenergie eines Geschosses in 100 Metern Entfernung, gemessen in Joule. Die Auftreffenergie sinkt mit zunehmender Entfernung durch den Luftwiderstand. Das Bundesjagdgesetz (Paragraph 19 Abs. 1 Nr. 2) schreibt für Schalenwild Mindest-Energien bei E100 vor: 1.000 Joule für Rehwild und Fuchs, 2.000 Joule für alles übrige Schalenwild (Rot-, Dam-, Sika-, Mufflon-, Schwarz-, Gamswild). Diese Werte gelten bei normaler Jagdmunition mit kontrollierter Aufschlagserweiterung. Berechnet wird E mit der Formel E = 0,5 x m x v^2 (m in Kilogramm, v in m/s). Beispiel: 11,7 g (.308 Win, 180 grain) bei rund 720 m/s in 100 m = ca. 3.030 Joule, also weit über der Mindestgrenze. Munitionshersteller geben E100 in den Datenblättern an. Wer in größeren Entfernungen schießt, sollte E150 oder E200 ebenfalls berücksichtigen — bei 200 m hat ein .308-Geschoss noch rund 2.300 Joule, eine .243 Win unter 1.500 Joule. Für Rotwild bei 200 m daher reichlich Reserve einplanen.
Schwarzwild zählt zum sonstigen Schalenwild und benötigt nach Paragraph 19 BJagdG eine E100 von mindestens 2.000 Joule sowie Mindestkaliber 6,5 mm Geschossdurchmesser. Gut bewährt für Drück-, Riegel- und Ansitzjagd auf Schwarzwild sind 8x57 IS, 7x64, .308 Winchester, .30-06 Springfield, 8x68 S oder 9,3x62. Das schwere Knochengerüst und die ausgeprägte Schwarte alter Keiler verlangen ein Geschoss mit hoher Eindringtiefe und kontrollierter Aufschlagserweiterung. Klassische Teilmantelgeschosse (z. B. RWS Evo Green, Norma Oryx, Hornady GMX, Barnes TTSX) liefern hier zuverlässige Wirkung. Bei der Drückjagd haben Geschosse mit großem Wundkanal Vorteile, da Treffer im Bewegungsablauf nicht immer ideal sitzen. Repetierer mit kurzem Schloss (z. B. Mauser M03, Sauer 404, Blaser R8) und 51er-Lauflänge sind beliebt. Bleifreie Monometallgeschosse haben sich bei Schwarzwild ebenfalls bewährt — wichtig sind ausreichende Geschwindigkeit für die Aufschlagserweiterung. Schweres, langsames Blei alter Prägung (Vollmantel) ist nicht zulässig.
Die Aufschlagserweiterung (Pilzbildung) eines Büchsengeschosses ist entscheidend für eine schnelle, tierschutzgerechte Tötung. Ein erweiterter Geschosskopf erzeugt einen größeren Wundkanal, gibt mehr Energie an das Wild ab und führt zu schnellerem Verbluten oder Schock. Vollmantelgeschosse, die ohne Erweiterung das Wild durchschlagen, sind nach Bundesjagdgesetz für Schalenwild verboten — sie verursachen unnötiges Leid und schlechte Wirkung. Geschosse für die Jagd haben daher konstruktiv vorgesehene Erweiterungsmechanismen: bleihaltige Teilmantelgeschosse (z. B. RWS Kegelspitz, Norma Plastspitz) öffnen sich durch das weiche Bleiherz; bleifreie Monometallgeschosse aus Kupfer (z. B. Barnes TSX, Hornady CX, Lapua Naturalis) haben Hohlspitzen oder Sollbruchstellen. Wichtig ist, dass die Erweiterung kontrolliert erfolgt: Das Geschoss soll sich öffnen, aber nicht zu schnell zerfallen. Ein gut konstruiertes Geschoss behält 60 bis 95 Prozent seiner Masse. Restbleifähigkeit, gleichmäßige Pilzform und ausreichende Eindringtiefe sind Qualitätskriterien. Bei zu langsamer Auftreffgeschwindigkeit (lange Schussentfernung, schwache Patrone) kann die Erweiterung ausbleiben — daher Mindestgeschwindigkeit des Herstellers beachten.