Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue, BTV) ist eine virale, vektorübertragene Erkrankung von Schalenwild und landwirtschaftlichen Wiederkäuern. Verursacher ist das Bluetongue-Virus aus der Familie Reoviridae, von dem mehrere Serotypen (insbesondere BTV-3 und BTV-8) seit 2023/24 erneut starke Ausbrüche in Deutschland verursacht haben. Im Wildbestand wird BTV vor allem bei Rot-, Dam-, Reh- und Mufflonwild relevant.
Überträger sind Gnitzen der Gattung Culicoides, die in feuchten, warmen Sommermonaten (etwa Mai bis Oktober) aktiv sind. Mit der Verlängerung der Vektorperiode durch milde Wintertemperaturen ist eine ganzjährige Eintragsgefahr in südlichen Bundesländern nicht mehr ausgeschlossen.
Klinisch zeigt sich die Erkrankung mit Fieber, Apathie, Schwellungen und bläulichen Verfärbungen der Zunge und Maulschleimhaut, Schleimhauterosionen, Lahmheiten (Klauenkronenrötung), Atembeschwerden und Aborten. Die Mortalität ist je nach Serotyp und Wildart variabel, im Wildbestand werden subklinische Verläufe häufig beobachtet.
Für den Jäger besteht Meldepflicht bei jedem Verdachtsfall: erlegtes oder verendet aufgefundenes Schalenwild mit auffälligen Maul-, Zungen- oder Klauenveränderungen ist umgehend dem Veterinäramt zu melden. Im Restriktionsgebiet gelten Verbringungsverbote für lebende Tiere; das Inverkehrbringen von Wildbret bleibt nach Untersuchung in der Regel zulässig. Eine Übertragung auf den Menschen findet nicht statt.
Quellenhinweis: Stand April 2026; Angaben auf Grundlage von FLI, BMEL und OIE/WOAH. Bitte aktuelle bundeslandspezifische Bestimmungen prüfen.